Im Dezember wurde der Emissions Gap Report des United Nations Environment Programme (UNEP) veröffentlicht. Laut den Autor*innen steuern wir derzeit auf eine Erderwärmung von 3,2 Grad Celsius zu – und das selbst dann, wenn die Pariser Klimaziele, die eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius vorsehen, von allen Unterzeichnenden strikt eingehalten werden würden.
Im Widerspruch zu den gesetzten Zielen seien die Treibhausgasemissionen 2019 auf einen neuen Rekord von 59,1 Gigatonnen gestiegen. Für das Jahr 2020 werden zwar niedrigere CO2-Emissionen erwartet, diese bedeuten langfristig aber nur eine minimale Reduktion der Erwärmung bis 2050 um 0,01 Grad Celsius.

Während einige Klimawandelrisiken bereits bei einer Erderwärmung von 1 bis 2 Grad Celsius beträchtlich sind, stuft der Weltklimarat die Risiken einer Erwärmung von bis zu 4 Grad Celsius als “hoch bis sehr hoch” ein.
Selbst bei einer Begrenzung der Erderwärmung auf die in den Pariser Klimazielen vorgesehenen 1,5 Grad Celsius prognostizieren Wissenschaftler*innen einen Zunahme an Extremwetterereignissen wie Hitzeperioden, starken Stürmen und Unwettern. Zugleich sind Korallenriffe akut durch Ausbleichung bedroht, was den Verlust einzigartiger Habitate zur Folge hat. Der Meeresspiegel wird deutlich ansteigen, doch wird der Anstieg bis Ende des Jahrhunderts wohl unter einem halben Meter bleiben. Dadurch müssen Bewohner flacherer Inselstaaten umgesiedelt werden und zahlreiche Deiche erhöht werden, die Folgen gelten insgesamt aber als “noch beherrschbar”.

Dahingegen hat laut Prognosen ein Temperaturanstieg zwischen 3 und 4 Grad Celsius einen Meeresspiegelanstieg von einem halben Meter bis Ende des Jahrhunderts zufolge. Durch diesen Anstieg werden große Gebiete in Küstennähe komplett überflutet oder nur unter hohem technischen und finanziellen Aufwand zu halten sein, wovon etwa eine Milliarde Menschen unmittelbar betroffen sein wird. Zu den betroffenen Gebieten gehören sowohl zahlreiche Inseln, wie auch große Teile Bangladeschs, Teile der Niederlande und Metropolen wie New York, Jakarta, Mumbai, Shanghai und Hamburg.

Zugleich ändern Wetterphänomene sich grundlegend, beispielsweise die Stärke von Monsunwinden, das El-Niño-Phänomen im Pazifik und der Nordatlantikstrom. Zu erwartende Schäden werden laut Wissenschaftler*innen nicht mehr wirtschaftlich absicherbar sein, zudem seien die humanitären Folgen nicht vollständig absehbar.

Für Köln werden bereits ab einer Erderwärmung von 1,5°C bis 2,8°C längere Hitzeperioden mit Tagen über 30 Grad Celsius vor allem in den dicht bebauten Stadtteilen prognostiziert. Während die zentralen Stadtteile innerhalb der Militärringstraße zwischen 1971 und 2000 etwa 15 bis 16 heiße Tage maximal im Jahr erlebten, werden im Zeitraum von 2021 bis 2050 etwa 21 bis 28 heiße Tage pro Jahr erwartet. Dabei können Maximaltemperaturen von über 40 Grad Celsius erreicht werden, generell wird die Anzahl der Starkwetterereignisse ansteigen. Eine weitere Bebauung innerhalb dieser Viertel, insbesondere innerhalb des Grüngürtels, könnte dieses Szenario zusätzlich verschlimmern.

Die Autor*innen des Emissions Gap Report erläutern, dass einige Staaten sich im vergangenen Jahr zwar striktere Klimaziele gesetzt hätten als zuvor – China plant die CO2-Neutralität bis 2060, Südafrika bis 2050 und die EU und Japan bis zur Mitte des Jahrhunderts – diese Vorhaben müssten jedoch erst in der jeweiligen Gesetzgebung verankert werden. Weiter erläutert der Report, dass im Jahr 2020 die reichsten 1% der Erdbevölkerung mehr als das doppelte der Emissionen der ärmsten 50% verursachten. Diese ökonomische Elite müsse ihren ökologischen Fußabdruck um einen Faktor 30 reduzieren, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens einzuhalten.

Die Autor*innen des Reports mahnen an, dass die Coronapandemie “eine Warnung [sei], dass wir uns dringend abwenden müssen von unserem zerstörerischen Entwicklungspfad, der die drei globalen Krisen – Klimawandel, Artensterben und Umweltverschmutzung – befeuert”. Gleichzeitig betonen sie jedoch, dass Pandemie eine entscheidende Wende in der globalen Klimapolitik darstellen könne: So könnten und müssten Regierungen Konjunkturprogramme an strengere ökologische Auflagen koppeln, emissionsfreie Technologien unterstützen, Subventionen für fossile Energien kürzen, keine neuen Kohlekraftwerke einsetzen und großflächige Aufforstungsprojekte fördern. Solche Veränderungen könnten die zu erwartenden Emissionen für 2030 laut Bericht um 25 Prozent reduzieren.

Quellen:

Autorin: Mai