Teil 1: Warum unterstütze ich das Rotationsprinzip?

Üblicherweise behält man die gesamte Wahlperiode das Mandat. Mittels des Rotationsprinzips kann man bei den KLIMA FREUND:INNEN schon eher den Staffelstab weitergeben.
Meine Gründe, warum ich das Prinzip unterstütze, sind:

Teil 2: Ist das nicht alles Ideologie?

Eine typische Reaktion, die ich vor Allem von Leuten bekomme, die in dem aktiven System mitspielen ist: „Ist das alles nicht Wunschdenken? In der Realität funktioniert das so nicht – die Politik ist so langsam, in so kurzer Zeit hat man sich ja gerade erst eingearbeitet und inhaltlich überhaupt nichts geschafft.”

Gegenfrage: Was ist denn die Alternative? Ein System weiter zu bespielen, von dem man erlebt, dass es nicht funktioniert? Nein. Eine kulturelle Angewohnheit, GERADE in der Politik, ist es nach dem Ganz-oder-gar-nicht-Prinzip Alternativ-Lösungen zu fordern, die jeglicher Kritik und jeglichen Eventualitäten standhalten. Ich vergleiche das gern mit dem Wasserfallmodell aus der Softwareentwicklung: Es wird EWIG an dem einen Lösungsentwurf gebastelt, bis es der eigenen Meinung nach ausreichend wasserdicht ist und wird dann genauso umgesetzt. Die Praxis und die Wissenschaft haben schon vor Jahrzehnten belegt, dass diese Strategie ein hohes Risiko hat zu versagen. Teuer zu versagen. Heutzutage gibt es andere Vorgehensmodelle, wo agil Prototypen in kleinen Inkrementen und Iterationen gebaut werden und wo man sich kontinuierlich erlaubt sich nicht nur zu verbessern, sondern bereits Gebautes auch zu verwerfen und ganz neue Wege zu gehen, die man bisher noch nicht auf dem Schirm hatte. Wege, die man erst erkennen konnte, WEIL man Dinge ausprobiert hat.

Außerhalb der Software Entwicklung werden solche Strategien und Vorgehensweisen beispielsweise in Reallaboren gelebt – und die KLIMA FREUND:INNEN sind für mich genau ein solches Reallabor. Eines, was durch ausprobieren und vorleben in der Praxis das erlebbar macht, was die wissenschaftlichen Erkenntnisse von uns in der Theorie verlangen zu ändern und so politische Innovationen ermöglicht.

Freundchen

Dass Politik langsam ist, ist kein Naturgesetz. Sie bleibt es und verfehlt weiterhin die echten Bedarfe und Bedürfnisse der Menschen wenn wir so weiter machen. Die benannten Einarbeitungs- und Übergabeprozesse sind sind wohldefinierte Probleme, für die es bereits Standard-Lösungen von der Stange gibt. Meiner Ansicht nach enthalten die o.g. Reaktionen nicht nur schwache Argumente gegen das Rotationsprinzip, sondern eine solche Reaktion an sich finde ich auch im Gesamten unkonstruktiv, weil sie gar nicht auf die ursprüngliche Kritik eingeht, die inhaltlich aufzeigt, warum die gegenwärtige politische Praxis nicht so weiter bestehen kann und sollte.

Teil 3: Was wollte ich mit dem Mandat?

Interaktionsdesign ist mein fachlicher Background und Transformationsdesign ist mein Beruf. Was das nun genau bedeutet ist gar nicht so wichtig, auf das Vorgehen, wie mein Fachbereich Probleme löst möchte ich eingehen: Das Besondere an einem (Interkations- oder User Experience-) Designprozess ist, dass man die Perspektive der verschiedenen Akteur:innen einnimmt, um Bedürfnisse offenzulegen, die den Stakeholder:innen zuvor gar nicht so bewusst waren.

 

In der Zeit im Mandat habe ich also Daten erhoben und Erkenntnisse darüber gesammelt wie der Problemraum “Kommunalpolitik” sozial, organisatorisch und technisch funktioniert, mit dem Ziel herzuleiten welche Anforderungen notwendig sind zu erfüllen, um effizient und mit möglichst wenig Widerständen der Menschen die politische Praxis zu transformieren, damit wir besser ökologische und soziale Krisen überwinden.

Teil 4: Meine Journey und Insights

Journeys und Tagebücher sind typische Methoden aus dem Design um die (“User”) Experience zu modellieren – in dem Stil versuche ich nun in Kategorien mit Stichpunkten meine Erkenntnisse aus der Zeit im Rat zusammen zu fassen.

Mein Fazit

Mein Ziel, organisatorische, soziale und technische Wirkmechanismen zu verstehen, um darauf basierend Ansätze zu entwickeln mit welchen Hebeln man wo am besten für die öko-soziale Transformation ansetzen kann, habe ich erreicht.

Zum Schluss möchte ich nochmal betonen, dass die Veröffentlichung meiner Erfahrung nicht dazu dienen soll mit Leuten abzurechnen oder die Kommunalpolitik zu “exposen”. Vielmehr möchte ich den Menschen in der Kommunalpolitik spiegeln, wie die Kommunalpolitik bei einigen Menschen ankommt.

Die meisten Menschen sind nicht politikverdrossen, sie sich hochpolitisch. Gerade gegenüber jungen Menschen ist es ein ungerechter Vorwurf, auch weil es die Verantwortung auf sie ablädt ohne sich selbst zu reflektieren. Die (Zusammen-)arbeits- und Kommunikationskultur hat sich eben gewandeIt. Es ist nicht mehr üblich, dass wir uns mit 18 einen Beruf aussuchen und diesen dann bis zur Rente ausüben – Das gegenwärtige politische System funktioniert aber immer noch nach derselben Logik. Ich finde, wir sollten äußern können, dass es nicht in Ordnung ist zwar zähneknirschend, aber gleichzeitig Schulterzuckend zu sagen “Man muss halt einen langen Atem haben”. Wir sollten ganz legitim Grenzen setzen und antworten können “Nein, unter diesen Bedingungen habe ich keine Lust mitzumachen”. (Das ist im Übrigen denke ich auch der Grund wieso, auch Nicht-Regierungs-Organisationen, überaltern und junge Menschen dazu tendieren einfach neue Gruppierungen zu gründen, wie z.B. Volt). Und, dass ich diese Beobachtungen und Gegebenheiten benenne soll der erste Schritt sein um diese Probleme überhaupt in Diskussion zu bringen und anzugehen. Dieser Erfahrungsbericht soll also ein konstruktiver Beitrag dazu sein, dass wir von nun an nicht nur darüber reflektieren, welche Politik wir machen, sondern auch *wie* wir Politik machen. Das ist für mich der ausschlaggebende Flaschenhals für den System Change!

Danke liebe KLIMA FREUND:INNEN, dass ich das über eure Strukturen und das Rotationsprinzip machen konnte! Ich finde es wichtig und richtig, dass für Absichten wie meine ein Raum geschaffen wird und dass dies auch ein Ziel des Rotationsprinzips ist und nicht eben nur das politische Tagesgeschäft. Denn damit Veränderung stattfinden kann, braucht es auch solche Unternehmungen! – Das ist im Übrigen auch für mich der wesentliche Punkt, der die KLIMA FREUNDE von den anderen Wähler:innengruppen/Parteien unterscheidet. Und Danke auch an Alle die tatsächlich alles bis zum Schluss gelesen haben. :)

Ngoc
Ngoc
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Nennenswerte Medienberichte aus meiner Zeit im Stadtrat